Mit Kerstin Brein auf dem Weg zur Freiheit

Als ich mir dieses Buch bestellte, dachte ich: Das ist so ein hübscher, kleiner Bildband, den kannst Du mal so zwischendurch lesen, wenn Dir die Fachbücher über den Kopf wachsen! Dabei hätte ich es eigentlich besser wissen müssen. Schließlich stammt das Buch aus der Feder (oder besser Computer) von Nicole Künzel. Zwar ist „Mit Kerstin Brein auf dem Weg zur Freiheit“ kein Clickerbuch, denn es wird negativer Verstärkung gearbeitet. Aber fernab von jeder Methodik enthält dieser Bildband ungeheuer viele große und kleine Wahrheiten rund um den Umgang mit Pferden, so das ich gar nicht weiss, welche Zitate ich nun eigentlich hervorheben möchte.

Kerstin Brein und ihre Ponys

Copyright by Antje Wolff

„Jedes Pferdetraining ist ein Training an sich selbst. Ein guter Pferdetrainer ist in der Lage zu erkennen ob ein Pferd etwas nicht tun will oder nicht verstanden hat, was es tun soll!“

Auf knapp 100 Seiten mit vielen, wunderschönen Bildern gespickt, zeichnet Nicole Künzel einfühlsam, das noch sehr junge Leben der Österreicherin nach.  Wie Ihr Pony Domino ihre Neugier an Zirkuslektionen weckte und wie sie nach einem kurzen Ausflug in den „ernsthaften“ Reitsport sich auf die Suche nach einer anderen Kommunikationsform mit Pferden machte. Wenn man sich die  Schaunummern von Kerstin Brein und ihren Ponys anschaut, dann glaubt man Ihr, das sie den Satz von Jean Francois Pinon ernst genommen hat:

„Mach keine Show, spiel mit den Pferden, habe Spass mit ihnen, das wollen deine Pferde spüren und die Zuschauer sehen!“ 

Genau dies hebt Kerstin Brein aus der Masse der Pferde-Shownummer hervor. Ihre Auftritte wirken leicht und spielerisch und die Pferde fröhlich und entspannt. Wenn die Akteurin von ihren „Ponys“ erzählt, hört man die Verbundenheit. Es sind Familienmitglieder, mit denen sie sich auf den Weg macht. Es gibt wirklich viele wunderbare Stellen in diesem Buch und manche Zitate möchte man rausschreiben und an die Türen diverser Reithallen  heften.

Dieses Zitat;  zum Beispiel traf viele Jahre auf mich zu 🙂  Wie oft war und bin ich nicht für die Meinung meiner Pferde ansprechbar. 

„Während des Prozesses der „Sprachfindung“ sollten wir immer zuerst uns selbst kritisch überprüfen. Versteht ein Pferd mich nicht, gilt es zu reflektieren, was ich ihm nicht genug erklärt habe. Meiner Erfahrung nach blockieren sich Menschen oftmals selbst in ihrem Fortschreiten mit dem Pferd, weil sie zu sehr auf der eigenen Meinung beharren und sich nicht auf die Vorschläge des Pferdes einlassen.“

Das wiederum nehme ich mir jeden Tag bei den Pferden immer wieder vor 😉

„Manchmal geschieht es natürlich auch mir, das ich einmal ein unklares Zeichen gebe, dann bieten mir meine Pferde etwas an, das ich zwar vielleicht nicht erwartet hatte,aber daraus entsteht wieder eine grossartige neue Übung. Ich bestrafe meine Pferde nie, wenn sie etwas eigenständig anbieten, da ich ich auf meine Pferde und ihre Aussage verlassen kann. Ich halte inne und überlege, warum sei gedacht haben, dieses oder je es tun zu müssen, und dann wird es mir bewußt. So lerne ich von den Reaktionen meiner Pferde, statt mit ihnen zu kämpfen“

Kerstin Brein mit ihrer Ponyfamilie

Copyright by Antje Wolff

Und die Suche viele Pferdemenschen nach Patentrezepte, die sie immer wieder in die Arme diverser Gurus treibt.

„Viele Menschen sind auf der Suche nach einem Patentrezept, wie sie mit ihrem Pferd umgehen, es ausbilden sollen. Dabei tragen sie oft die Sorge in sich, ob sie ihrem Gefühl trauen können und in der Lage sind, eigene Entscheidungen in Bezug auf ihr Pferd und seine Ausbildung  zu treffen. Diese Sorge ist oft der Grund, welcher die Menschen dazu bewegt, nach einem immer gleichen Patentrezept zu suchen. Resultierend aus der Angst, etwas in ihrem Leben oder bei ihren Pferden falsch zu machen, möchten sie lieber die Verantwortung abgeben.“

Viele der wunderschönen Fotos sind an einem Tag frei auf einer norddeutschen Wiese entstanden. Dies erzählt viel über die 6 Akteure. Sie brauchen kein Rampenlicht, keine elegante Verkleidung! Sie selbst strahlen soviel Ruhe, Konzentration, Freude und auch Liebe aus – da braucht es keine Bühne 🙂

Obwohl dieses Buch als Bildband daher kommt, ist es vollgestopft mit Pferdewissen und damit meine ich nicht unbedingt die Anleitungen für die ersten Schritte der Freiheitsdressur, (die clicke ich lieber 😇) sondern die Einsichten, die sich eher nebenbei ergeben, wenn Kerstin Brein von ihrem Training erzählt. Einige Sätze habe ich schon in mein Trainingsbuch geschrieben, aber ich werde dieses wunderschöne, inspirierende Buch bestimmt immer wieder in die Hand nehmen und wahrscheinlich noch einige Textstellen anstreichen. 🙂

 

Links:

Homepage von Kerstin Brein 

Wer von Kerstin Brein lernen möchte, hat dazu  beim Evipo-Seminar in Fuhrberg vom  3. bis 4. Oktober 2015 die perfekte Gelegenheit 🙂 Weitere Infos unter Evipo.com 

Please like & share: