Hühnermodul 1

Hühnermodul – oder wie Berta meine Schwächen enttarnte :-)

Ja, es hört sich verrückt an, wenn man erzählt, das man ein Hühnermodul macht, also Hühner clickert um sein Pferdetraining zu verbessern. Jedem, dem ich im Vorfeld versucht habe, dies zu erklären, hielt mich für komplett übergeschnappt oder schob es auf die Midlife-Crisis. Ich kann Euch aber komplett beruhigen – es geht mir gut! Auch wenn ich mir dieses Modul zum 50. Geburtstag geschenkt habe. 🙂

Ich habe weder meine Hunde noch die Pferde mitgenommen, weil ich mich einfach 5 Tage lang auf das Lernen konzentrieren wollte, um möglichst viel Input zu bekommen – also auf nach Ochtmannien zu Nina Steigerwald. Nina hatte ich ja schon bei unserem Agility-Kurs im Juni kennen gelernt und freute mich ganz besonders noch mehr von Ihr lernen zu dürfen.

Tag 1 

Als erstes stand das Verbessern der eigenen Technik  auf dem Programm. Wieviele Clicks inclusive Fütterung schaffe ich in 30 Sekunden. Meine Rate lag mit der rechten Hand bei 20 und mit der linken bei 18. Dabei habe ich allerdings soviel Futter verschüttet, das mein Huhn hätte es dies alles picken dürfen, schon nach den ersten Minuten satt gewesen wäre. Also alles schnell weg wischen und Neustart.
Unsere erste Aufgabe war es dem Huhn das Picken auf ein Target beizubringen und das auch noch möglichst in der Mitte. Dieses kleine Detail ist wichtig, weil die MIni- Karten sonst fröhlich durch Gegend segeln und man mehr mit einsammeln statt mit trainieren beschäftigt ist.
Was die Arbeit ungeheuer erschwert; die Hühner sind wahnsinnig schnell, gerade im Gegensatz zu Pferden. Aber selbst meine Aussies wirken dagegen wie sehr langsame Trantüten.
Da eine relativ komplexe Trainingsaufgabe vor uns lag, war ein Plan bzw. eine Strategie natürlich ein unbedingtes Muss. Zwar ist picken für Hühner jetzt keine neue Tätigkeit und auch in der Natur, wenn sie Insekten picken, müssen sie natürlich treffen, um zum Erfolg zu kommen. Schwierig wird es  nur wenn der Mensch entscheiden muss Treffer oder nicht. Dafür braucht man nämlich ein sehr gutes Auge und muss sich innerhalb von Sekunden entscheiden Treffer ja/nein und mitte/rechts/links. Bei Mitte ist alles gut und das Futtertöpfchen wird dem schlauen Federvieh direkt unter den Schnabel gehalten. Hat es etwas zu weit links oder rechts gepickt wird das Futtertöpfchen in die entgegengesetzte Richtung gehalten und das Huhn sollte mindestens einen Schritt machen um an sein Futter zu gelangen. Bei der rasanten Geschwindigkeit mancher Hühner heisst das im Sekundentakt die richtige Entscheidung treffen. Puuuh, da kommt der Trainerwechsel nach 12 Minuten manchmal gerade rechtzeitig.

Am Nachmittag ging es dann daran, das Huhn darauf zu trainieren Formen und Farben zu unterscheiden. Der jeweilige Target wurde aus vier verschiedenen, ermittelt indem man das Huhn picken lässt und immer den Target entfernt, den es pickt. Der Target der als letztes übrig bleibt ist der heiße Target und soll von da an nur noch gepickt werden.
Mein Huhn Berta hatte ein blaues Dreieck nicht auserkoren und bei Irma war es die Farbe blau, das ist schön wenn man es sich aufschreibt und später bevor anfängt zu trainieren auch noch mal genau durchliesst, aber dazu später 🙂
Die ersten Durchgänge verliefen sehr gut und schon bald konnte man eine zweite und dritte Farbe hinzunehmen. Auch bei Huhn Nummer 2 lief die Formenunterscheidung gut an. Zwei Formen klappten.

Tag 2 und 3

Ich übe Dauer aufbauen mit den lieben Hunden 🙂

Am nächsten Morgen war die liebe Berta (mein Formenhuhn) komplett von der Rolle. Ich war der Meinung der heisse Target sei der Kreis und es pickte ununterbrochen das Dreieck, wie konnte das nur sein. Ich zweifelte 2 Durchgänge komplet an meinem Verstand und natürlich auch an dem von dem Huhn. Ich dachte noch gestern war die Gute doch so schlau, deshalb hatte ich sie doch extra für die Formunterscheidung ausgewählt, warum hat es sich denn nur so auf das Dreieck versteift und pickt nicht mehr auf den „vermeintlich“ heissen Kreis. Bis ich meine Aufzeichnungen etwas genauer durchlas und feststellte, das Huhn hatte recht. Gestern nachmittag war noch das Dreieck das richtige, soweit so gut ein Huhn hat ein besseres Gedächtnis als ich ! Asche über mein Haupt. 🙂
Nun dauerte es natürlich doppelt so lange das arme Huhn wieder umzutrainieren. Am Abend war es beinahe geschafft, aber da hatte es angefangen die Targets über den Tisch zu flippen.
Mein Farbenhuhn dagegen war voll auf Kurs konnte seinen blauen Kreis aus drei verschiedenfarbigen Kumpels herauspicken, egal wie wild man die Karten hin und her tauschte. Gutes Huhn!!! – so sieht man dann wie schnell es gehen kann, wenn man keinen Fehler hineintrainiert. Am Ende des Tages konnte das Huhn, wenn ich den richtigen Target wegnahmen 7 Sekunden warten ohne zu picken, bis ich den Target wieder hinlegte. Was für eine Leistung!!! Diese Leistung sollte ich noch auf 30 Sekunden ausdehnen. Dabei passierte es, daß das liebe Huhn während des Trainierens zwar nicht anfing zu picken, aber immer weiter auf mich zu kam und dann auf den Targets stand, damit erfüllte es zwar immer noch die Aufgabe, aber perfekt gelöst sieht eben auch anders aus.
Als noch mal überlegen, wie kann man dies managen. Eine Idee war dann den heissen Target in der Mitte des Tisches zu präsentieren um das Huhn wieder weiter von mir weg zu plazieren. Dies funktionierte aber „gefühlt“  nur eine Sekunde und dann kam das Huhn wieder auf mich zu gerannt. Also eigentlich das Gegenteil von dem was ich erreichen wollte; ich wünschte mir ja ein relativ still abwartendes Huhn (hmm).
Dann merkte ich das es die zehn Sekunden durchaus still stehen konnte und beschloss das Huhn mit dem Erscheinen des Target zu belohnen, wenn es ehe ein wenig nach hinten wippte als noch vorne /unabhängig von der Zeit, die verstrichen war. Das war dann auch des Rätsels Lösung. Die spätere Prüfung unter Ablenkung, wenn der Trainer die Targets mit dem Finger pickt, durch die Gegend flippt, tauscht etc. ertrug mein braves Huhn stoich. Für mich persönlich habe ich aus diesem Tag wirklich viel herausziehen können. Denn ich habe gemerkt, das ich viel zu selten Dauer trainieren, auch wenn ich von meinen Hunden möchte, das sie länger als 2 Sekunden in ihrem Körbchen liegen bleiben. Zwar können sie dies auch, denn ich habe es selbstverständlich geclickert, aber nie strategisch trainiert. Zwar habe ich oft die Entfernung gesteigert, frei nach dem Motto könnt ihr auch im Körbchen liegen bleiben, wenn ich in die Küche gehe. Ich bin bei diesem Thema gerade für meine doch sehr lebhaften Aussies immer deutlich zu schnell, zu unbeduldig vorgegangen und habe dies nie sinnvoll kleinschrittig aufgebaut. Schade eigentlich oder wie Nina es motivierender zu sagen würde:  Da geht noch was 🙂
Auch die Grundidee, das nach einer solchen „Ausdauerleistung“ mehr Futter für das Tier herausspringen muss, war mir nicht so präsent, wie nach diesem Hühnermodul. Denn es gab ein Huhn, das bei 10 Sekunden ganz deutlich ausstieg und sagte die Geschichte hier lohnt sich für mich nicht mehr, dann pick ich eben gar nicht mehr. Kaum liess man sie zwei Körner aus dem Töpfchen nehmen ging es schon weiter im Text.
Auch hochwertige Belohnungen führten übrigens auch bei einem satten Huhn durchaus noch zu Leistungen. Selbst wenn das Huhn keine Körner mehr picken wollte Frischkäse ging immer 🙂 Jetzt muss man nur noch herausfinden, welche Art von „Frischkäse“, das eigene Viehzeug bevorzugt. 🙂
Dieses Konzept benutze ich zwar auch bei meinen Pferden, da habe ich durchaus mal trockenes Brot in meiner Hosentasche und die Ponys wissen, wenn ich nach hinten greife, gibt etwas besonderes, aber ich glaube bei den Hunden setze ich dies einfach noch zu wenig um und habe auch einfach nicht genug Pläne gemacht. Also nicht Pläne in Form von ich trainiere dieses oder jenes sondern ich trainiere liegenbleiben im Korb 2/3/4 Sekunden / Minuten etc. ich trainiere liegen bleiben im Korb, wenn die Kinder springen, die Türklingel läutet, Besuch kommt etc. Puh da liegt noch eine Strecke vor uns.
Was mich jedoch wirklich erschüttert, das dies auch für meine Ponys zutrifft, natürlich haben meine Pferde gelernt auf Kommando stehen zu bleiben. Aber gerade seitdem ich clickere, wird die Versuchung „Mutti“ hinterher zu stiefeln immer größer und da habe ich also auch nicht ausreichend an der Dauer gearbeitet. Ich persönlich habe keine Ausdauer darin, meine Tiere in Sachen „Geduld“ zu trainieren. Selbsterkenntnis hat manchmal auch was vernichtendes 😀.

4. Tag

Am 4. Tag habe ich gemerkt, das ich zu Hause bei der Arbeit mit meinen Tieren, das Signal viel zu früh einführe. Bei den Hühner merkt man wie viele Durchgängen es braucht bis ein Verhalten wirklich sitzt. Immer wenn man ganz sicher ist, das das Huhn die Aufgabe  verstanden hat, haut es mit großer Sicherheit, gerade wenn der Timer schellt, einmal daneben. Was nicht an der Gehirngröße des Federviehs liegt. Kaum hat das arme Tier, zweimal hintereinander seine Sache richtig gemacht, gehen wir, davon aus: Eh, das Tier hat´s kapiert. Das Huhn aber vielleicht eine ganz Sache verknüpft hat, merken wir meist erst sehr viel später.
Die Unterscheidung zwischen Arbeitssignalen und Signalen war mir auch nie so deutlich und deshalb habe ich auch oft viel zu früh mein Signal eingeführt. Würde ich immer 100 Euro verwetten, das meine Tiere die Signale richtig verknüpft haben, würde meine Familie wahrscheinlich im Armenhaus landen.

Tag 5

Tag der Entscheidung werden meine Hühner und ich die gestellte Aufgabe schaffen? Ich muss zugeben, als ich den letzten Teil der Aufgabe gehört habe, tat mir die liebe Irmi wirklich leid. Es stellte sich nämlich heraus, das sie kaum das sie gelernt hatte, den blauen Target und wirklich nur den blauen Target zu picken, ja sogar 20 Sekunden auf ihn zu warten. Just ab diesem Moment sich die Spielregeln umdrehten und ab sofort der grüne Target, derjenige welche war. Für mich als Trainer gab es eine doppelte Herausforderung, diese Aufgabe sollte nämlich ausschließlich durch Shaping erreicht werden. Und ja diese Aufgabe ist genauso gemein, wie sie sich anhört. 🙂

Zwar hatte ich mein liebes Huhn sehr schnell dazu gebracht vor dem grünen Target stehenzubleiben und das Blättchen zu fixieren, aber picken? Davon war nichts zu sehen. Was natürlich noch mal zeigt, wie wichtig, das richtige Timing ist, denn dreimal zu früh geclickt, heisst für das Huhn ich soll immer vor dem grünen Target stoppen. So, das ich erstmal dazu überging wirklich jedes Picken zu bestärken (ausser natürlich auf blaue Target) Was mein Huhn dazu brachte, einen für sie klar definierten Punkt auf der Tischdecke zu picken, den wir Menschen nicht zu sehen vermochten. Soviel zu, was wir glauben zu clicken und was das Tier denkt, was wir geclickt haben. Aufgrund von Ninas tollen Ratschlägen haben wir dann auch diese Aufgabe noch erfolgreich zu ende geführt! Puh!!!

Mein Fazit:

Hühnermodule sind der Knaller!!! Ganz besonders wenn man eine so tolle Trainerin, wie Nina Steigerwald an seiner Seite hat, die immer mit der richtigen Idee oder Aufmunterung (oder auch mit beiden) zur Stelle ist, wenn man glaubt,  es geht nicht mehr. Außerdem sind sie und ihre Familie ganz tolle Gastgeber bei denen ich mich sehr sehr wohl gefühlt habe. Einen ganz besonders lieben Dank auch an Corinna, die ich 5 Tage als Co-Trainerin an meiner Seite hatte, die mit ihrer Beobachtungsgabe mir oft eine große Hilfe war. Auch die Trainerspiele, die ja gerne ein bisschen belächelt werden, haben mich wirklich ein ganz entscheidendes Stück nach vorne gebracht. Nämlich eine Idee, wie das Tier sich fühlt, wenn es die gestellte Aufgabe nicht schafft. Bisher bin ich eigentlich immer sehr entspannt an die verschiedenen Trainingseinheiten herangegangen, ob mein Pferd, das heute, morgen oder übermorgen lernt, war mir egal! Irgendwann wird es schon auf die richtige Idee kommen, wie frustrierend dies sein kann auch für ein Tier, ist mir erst in diesem fünf Tagen klar geworden. Wenn Ihr also in dem nächsten Monat nichts von mir hört, macht Euch keine Sorgen. Ich schreibe Trainingspläne für meine Tiere 🙂 Ach, nein geht ja nicht am 10.10. fahre ich ja mit dem besten aller Rappenponys zum Agility-Kurs nach Bonn.   Wer also Nina einmal live erleben möchte, es ist noch ein Teilnehmerplatz frei und Zuschauerplätze gibt es natürlich auch noch.

Und nein – mir ist die ganzen fünf Tagen nicht einmal die Idee gekommen, es könne auf Samstag „Grillhühnchen“ geben. 🙂

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5 Gedanken zu „Hühnermodul – oder wie Berta meine Schwächen enttarnte :-)

  1. Michael

    Meine Frau betreibt Clicker-Training mit unserem kleinen Hund…. Auf Clickeen mit Hühnern ist sie Gott sei Dank noch nicht gekommen… 😉
    Vielen Dank für die Erweiterung meines Horizontes #Blogkommentiertag

  2. Evy

    So verrückt klingt das nich. Die Tiere sind… oft vorhanden, anscheinend ziemlich intelligent und irgendein Übungsobjekt braucht man ja 🙂 Spannend, was du gelernt hast!

    1. Sabine Beitragsautor

      Ja, die Hühne haben sie sehr bewusst ausgesucht, weil sie sowohl Beutegreifer, wie auch Beutetiere sind. Da hat man dann beide Mentalitäten zusammen und sie sind wirklich unglaublich schnell, gerade auch im Vergleich zu Pferden.
      Liebe Grüße Sabine

Kommentare sind geschlossen.