Clickerpony

Clicker contra Markerwort

Sehr oft, wenn Pferdeleute anfangen mit dem Clicker zu arbeiten, hört man Klagen, das man nun neben Führstrick und Gerte noch einen weiteren Gegenstand in der Hand hat.

FINGERCLICKER Click-iT VON DOGSLINE®.

FINGERCLICKER Click-iT VON DOGSLINE®.

An diesem Punkt angekommen, tendieren viele dazu, sich nach Alternativen umzusehen und kommen schnell auf das Markerwort. Ein Markerwort ist ein Wort, das ich immer genauso verwende, wie einen Clicker.  Das heißt, es folgt auf jedes „Prima“ eine Belohnung, um mal ein Beispiel zu bringen. Bei der Auswahl des Markerwortes gibt es einiges zu beachten. Ich sollte das Wort nicht im normalen Sprachgebrauch haben und das Pferd sollte keine „Vorerfahrungen“ mit dem Wort haben. Wenn ich mein Pferd schon 10 Jahre mit „Gut“ gelobt habe, dabei aber nie Futterlob verwendet habe, verkompliziert das die Konditionierung, denn woher soll das Pferd, nun wissen, das nun auf jedes „Gut“ ein Leckerli folgt. Auch ein „Fein“ ist problematisch, weil es dem alltäglichen „Nein“ einfach zu ähnlich ist.

Das Markerwort sollte ein kurzes,  möglichst einsilbiges Wort sein, damit man eben auch ein Verhalten markieren kann. So habe ich Hundeleute auch schon „click“ sagen hören, was mir persönlich immer ein dickes Grinsen ins Gesicht zaubert, aber nun ja – Geschmäcker sind halt verschieden.  Ich habe es dann mal mit Humor genommen, bei mir heißt das Markerwort „Keks“. Deshalb gibt es bei uns am Stall auch immer nur noch Gebäck oder Plätzchen! 🙂

Wenn doch alles so toll auch mit dem Markerwort klappt, warum dann einen Clicker verwenden. Ein Grund, der am Anfang den wenigsten einleuchtet, ist die Reaktionsgeschwindigkeit. Der Mensch kann viel schneller clicken, als  „Keks“ sagen. Hinzu kommt, das dieses für das Pferd einmalige Geräusch, sehr punktgenau verwendet werden kann. Wer einmal gesehen hat, wie ein „Click“ dem Pferd buchstäblich durch den ganzen Körper fegt, mag sich nicht gerne mit weniger zufrieden geben.

Problematisch wird es beim Markern, wenn man sich selbst unsicher ist, ob das Verhalten einen Click verdient hat. Diese Unsicherheit schwingt dann nämlich ganz unwillkürlich in der Stimme mit. Ein Beispiel: Ich übe spanischen Schritt. Das  Kriterium: Das Pferd soll das Bein heben. Nun hebt das Pferd das Bein und ich markere – soweit so gut. Nun fängt das Pferd aber an, erst das Bein zu heben und dann zu scharren, stellt sich die Frage: „Click ich das noch oder setz ich den Click aus, um das Scharren nicht zu bestätigen?“ Das ist der Moment, wo der Click eben ganz neutral rüberkommt, das „Keks“ aber eben genau den Zweifel enthält, den ich verspüre und der das Pferd verunsichert und ihm beim Erlernen einer neuen Bewegung behindert.

Zu demselben Ergebnis kommt auch ein amerikanischer Test auf den die Autorin Karen Pryor in Ihrem Buch“ Die Seele der Tiere erreichen“ verweist. Die  erfahrene Clickertrainerin Lindsay Wood trainierte unter Laborbedingungen 20 Tierheimhunde, die zuvor keinerlei Erziehung genossen hatten. Alle mussten dieselbe Aufgabe bewältigen, die einen wurden mit dem Clicker, die andere mit dem Markerwort „geclickt“. Alle Hunde erreichten problemlos die Zielstellung, was allerdings bei den Auswertungen auffiel, war das die Clickerhunde deutlich schneller lernten. Sie brauchten im Durchschnitt nur 83 Bestärkungen, die Sprachgruppe 126. Eine weitere interessante Erkenntnis dieses Versuch´s, der Clicker war klar im Vorteil, wenn es darum ging neue Verhaltensweisen zu erreichen.  Wenn die Hunde verstanden hatten, worum es ging, war das Markerwort genauso erfolgreich, wie der Clicker. Karen Pyror vermutet, dass das neutrale „Richtig“ des Clickers, eine wesentlich leichter zu erfassende Information ist.  Im  „Ja“ der menschlichen Sprache schwingen eben immer viel mehr Informationen mit, die für das Tier beim Erlernen einer Bewegung eher hinderlich sind. weil das Tier unwillkürlich den Klang der Stimme mit analysisiert. Wenn wir unsere beste Freundin am Telefon haben, hören wir ja auch nicht nur ein „Hallo“ sondern auch ob Weltuntergang oder Freudentanz angesagt ist. 🙂

Genau das analysiert das Tier auch:  „Wie ist die Chefin denn heute drauf, war das; ja?  Ein „Vielleicht-Ja“ oder ein „Ja-beinahe“. Jetzt ist Schnelligkeit nicht unbedingt ein Kriterium, wenn ich meine Pferde ausbilden möchte, trotzdem fragt man sich natürlich, ob man es sich und dem Pferd mit einem Clicker leichter machen kann.

20141018_0034-webEin weiteres Argument für den Clicker, das ich besonders stichhaltig finde, ist das Trainieren des eigenen Timings. So kam bei Untersuchungen heraus, dass das Gehirn äussere  Geräusche, anders verarbeitet als die eigenen. So können wir zum Beispiel wenn wir clicken, sehr genau analysieren, ob der Click  gut getimt war oder nicht. Bei der sprachlichen Variante gaukelt uns unser Gehirn immer noch ein Supertiming vor, wenn das Trainee sich schon längst die Haare rauft. 😉 Das Lustige ist, das wir auf dem Beweisvideo zu Hause wunderbar erkennen können – Du warst zu spät.

Während ich all das hier schreibe, übe ich regelmäßig den Zungenclick, denn obwohl ich wirklich überall Clicker in meiner näheren und weiteren Umgebung gestreut habe, gibt es natürlich immer Situationen, wo ich eben keinen Clicker dabei habe oder wie z.B. beim Reiten keine Hand frei habe. Der Zungenclick ist eben kein Schnalzen, Küsschen geben oder ähnliches sondern ein sehr markantes Geräusch, für das zumindest ich mich momentan noch sehr stark konzentrieren muss.  Ich übe also den Zungenclick, damit ich, wenn  ich mein Pferd darauf konditioniere, es mir wirklich leicht von der Zunge geht und sich das Click-Geräusch  auch immer gleich anhört, was mir im Moment noch nicht gelingt.

Aber das wird, dann der nächste super lange Artikel 🙂

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4 Gedanken zu „Clicker contra Markerwort

  1. Alex Röpnack

    Super Artikel – fast perfekt…
    Mir fehlt allerdings noch ein Hinweis, den ich am eigenen Leib erfahren habe. Ich habe damals meinen Hund über Markerwort gelobt und überhaupt viel mit Stimme ausgebildet, war aber gsd schon zu Handzeichen und Pfeifsignalen übergegangen, so dass ich ihn auch stimmlos kontrollieren und anleiten konnte.
    Mein Schlüsselerlebnis: Ich war erkältet und HEISER! Meine Stimme brummte in ungewohnten Tiefen und mein armer Hund fühlte sich alles andere als gerufen und gelobt, wenn ich mit ihm sprach. Ganz im Gegenteil: Er fühlte sich wohl angeknurrt! Mit eingezogener Rute blickte er mich von unten herauf an: „Was habe ich falsch gemacht, Frauchen? Ich wollte doch alles richtig machen…“
    Seit dem bin ich froh über zusätzlich einstudierte Hand- und Pfeifsignale zur Anleitung und einen Clicker zum Lob. *grins*

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