Bist du ein sicherer Ort…

… diese Frage stellte Petra Haubner von dem Blog  Pferdeflüsterei.

Ehrlich gesagt, tue ich mich mit einem solchen leicht philosophischen Themen immer sehr schwer. Ich bewundere Tanja  von Tash Horse Experience  für Ihre wunderbaren Texte zu diesem Thema, die oft meine Gedanken und Gefühle widerspiegeln, mir selbst gelingt so etwas nie. Ich bin einfach zu praktisch und pragmatisch.

So erzieht man sein PferdVor fast 40 Jahren habe ich angefangen ( um ehrlich zu sein sind es sogar schon fast 42 Jahre ) mich für die Ausbildung von Pferden zu interessieren. Nachdem meine Eltern auf die wunderbare Idee gekommen waren mir ein Abo der Zeitschrift „Freizeit im Sattel“ zu schenken, waren Ursula Bruns und Linda Tellingtin-Jones meine Heldinnen. Besonders das Buch „So erzieht man sein Pferd“ konnte  ich vorwärts und rückwärts herbeten und kein Reitschulpony war vor meinen Erziehungsversuchen sicher. Grunderziehung und Bodenarbeit waren da schon mein Steckenpferd. 😃

Da da ich erst mit 33 Jahren mein erstes Pferd Skuggi geschenkt bekommen habe, bin ich von sehr vielen unterschiedlichen Pferde geprägt worden. Sieka, Pelerine, Grauni, Racia, Almirante, Mosi, Fylkir, und natürlich ganz besonders Fáni waren nur einige der Pferde, von denen ich lernen durfte und bei deren Besitzern ich mich gar nicht genug bedanken kann.

Witzigerweise dürfte ich als Fotografin auch die erste Präsentation von Pat Parelli in Deutschland mitverfolgen und ich muss sagen: Ich war fasziniert! Pferde, die in Reken trotz LTJ- Training sich seit  Jahren weigerten in den Pferdehänger zu steigen, waren innerhalb von 20 Minuten verladen. Das hat mich beeindruckt, seine Körpersprache so genau einsetzen zu können und es dabei wie ein Spiel aussehen zu lassen, war faszinierend anzusehen. Trotzdem hat diese Art der Ausbildung mich nie gereizt. Ich hatte viele Pferde, die sowieso schon ein sehr hohes Energielevel hatten  und  die diese Art des Drucks nicht wirklich gut vertrugen. Ah stopp, genauer gesagt, mag ich mit so einem hohen Drucklevel nicht umgehen. Ich bin dafür nicht geschaffen. Das ist wohl, das Wichtigste, was mich die Pferde gelehrt haben:  Ich muss ich bleiben, ich muss authentisch sein, nur so kann ich (m)einer Linie treu bleiben.

Und ja ich weiß, das Horsemanship nicht mit Pat Parelli gleichzusetzen ist und das es da viele Facetten gibt, die ich bei einigen sehr guten Trainern kennenlernen durfte. Trotzdem bleibt die Tatsache, das ich authentisch bleiben will und muss. Ich kann diesen Druck kurzfristig aufbauen, wenn ich zum Beispiel zwingend notwendig ein Pferd verladen muss, aber ohne Zwang wähle ich lieber Mittel, die mir mehr liegen. Frei nach Alexandra Kurland: Ich habe viele Werkzeuge in meiner Kiste, manche benutze ich mehr, manche benutze ich weniger.

15-05-10_0059webWie passt nun das Clickern in meine Arbeitsphilosophie ? Es ist einfach ein geniales Werkzeug für die Verständigung mit dem Pferd. Versteht mich nicht falsch, Clickertraining ist nicht einfach! Der Mensch muss eine sehr genaue Trainingsidee haben, dabei flexibel genug sie ständig je nach Reaktion des Pferdes abzuändern. Man muss das Tier sehr genau beobachten, das Erregungslevel im Auge behalten usw., usw. und ich habe bisher sicher nur an der Oberfläche der Möglichkeiten gekratzt. Aber wie soll ich sagen, es macht ungeheuer viel Spass und nicht nur mir sondern auch meinen Ponys. Selbst so dröge Aufgaben, wie: Wir üben ruhiges Stehen! werden zu einem Highlight und machen einfach Freude.

Man sollte meinen, es hätte sich nicht viel verändert, denn ich habe ja auch vorher mit möglichst wenig Druck gearbeitet und natürlich auch Lob und Futter eingesetzt. Trotzdem bietet die Arbeit mit dem Clicker etwas, was ich vorher nicht kannte. Sie lädt die Pferde ein, sich  einzubringen, kreativ zu sein. Die Beziehung intensiviert sich, man achtet mehr auf einander.

Es ist deutlich mehr Spiel, Spaß und Spannung in unser Leben gekommen, ob dies mich zu einem sicheren Ort für meine Pferde macht, weiß ich nicht, aber ich werte es mal als gutes Zeichen, das sie gerne in meiner Nähe sind. 🙂

Links:

Pferdeflüsterei: Bist Du ein sicherer Ort? Wie Du mit mehr FÜHLEN mehr erreichst

Tash Horse Experience: Vertrauen verdienen meets Vertrauen schenken

Pferdespiegel: Wie mich mein Pferd spiegelt

Herzenspferd: Von Fremden zu Freunden 

Du hast Dich auch an der Aktion beteiligt, aber Dein Link fehlt noch, dann immer her damit!  🙂

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9 Gedanken zu „Bist du ein sicherer Ort…

  1. Pferdeflüsterei

    Wie schön, dass Du mitgemacht hast und Deinen Weg beschrieben hast. Ich finde das so spannend. Ich weiß genau was Du meinst mit Pat Parelli, genau wie Mark Rashid und andere Trainer geht es ihm viel um die Persönlichkeitsentwicklung. Die 7 Spiele sind ja nicht alles. Ich finde keinen Trainer ganz perfekt und viele Trainer ganz toll, so wie auch Pat Parelli. Aber er ist sehr hilfreich, wenn man anfangen will an sich und mit seinem Pferd zu arbeiten. Weil das System erst einmal so logisch und einfach ist. Und nach und nach können viele andere Facetten dazukommen. Du warst als Fotografin bei einem seiner ersten Termine dabei? Wie toll! Das war sicher spannend. Ganz liebe Grüße an Dich und Deinen Kleinen und bis bald, Petra

    1. Faunii Beitragsautor

      Hallo Petra, noch vielen Dank für das Thema. ich finde es auch wichtig seinen Weg zu betrachten und sein Tun zu hinterfragen.
      Die Pat Parelli Präsentation war wirklich sehr spannend, weil sie Im FS-Testzentrum war und sehr viele Reken-Trainer mit ihren Pferden dabei waren. Es war eine ganz tolle inspirierende Veranstaltung bei der wir allen im Rekener Gelände gesessen habe und dem sehr charmanten und inspirierenden amerikanischen „Horseman“ gelauscht haben.
      Wirklich ein unvergessenes Erlebnis…
      Auch wenn ich mich dagegen entschieden habe so zu arbeiten.

  2. Saskia

    Hallo liebe Sabine,

    endlich komme ich nach dem langen Wochenende und viel Pferdezeit dazu Deinen Artikel „zu Deinem Weg“ zu lesen. Das mit den Erziehungsversuchen als Kind kommt mir sehr bekannt vor. Ich hatte ein Buch von Nathalie Penquitt und mein kleiner Welch Cob Hengst musste immer fleißig mit mir üben 🙂 Inzwischen bin ich auch ganz großer Fan von Linda Tellington!

    Zum Clickertraining bin ich irgendwie noch gar nicht gekommen. Ein Buch zu dem Thema liegt schon so lange bei mir, aber durch solche Blogs wie Deinen oder den von Ann-Cathrin bekomme ich richtig Lust mich auch damit mal zu beschäftigen!

    Viele liebe Grüße, Saskia und Danke Dir für die Verlinkung!

    1. Faunii Beitragsautor

      Hallo Saskia,
      Nathalies Bücher mag ich auch sehr gerne und ihr erstes Buch hat bei mir wirklich einen Ehrenplatz. Ich schau da immer noch gerne nach, wenn ich mal in Sachen Zirkuslektionen eine Antwort suche.
      Ich finde immer jeder muss seinen Weg gehen und bei sich bleiben. So wie mir das Horsemanship nicht liegt, wird es auch viele Leute geben, die eben nicht clickern wollen oder können.
      Wenn einen aber das Thema reizt, schadet ausprobieren nicht. denn es kann das Keben mit den Pferden ungeheuer bereichern.
      Liebe Grüße
      Sabine
      Ps ich würde mich über einen Gegenlink natürlich super freuen.

      1. Saskia

        Hallo Sabine,

        genau, jeder sollte seinen eigenen Weg gehen, aber ich schnupper gerne in verschiedene Methoden rein und da mein Pferd so ein neugieriges und wissbiegieriges Kerlchen ist, könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass er am Clickern großen Spaß hätte.

        Viele Grüße, Saskia

        P.S.: Oh ja, natürlich verlinke ich noch auf Deinen Artikel. Mir ist das heute Nacht sogar eingefallen 😉 wird gleich erledigt. 🙂

  3. Pingback: Wie mich mein Pferd spiegelt - PferdeSpiegel

  4. tanja

    Erst mal vielen Dank für dein Lob! Und dann muss ich meinem Bauchweh etwas Luft machen.. 🙁 Clickertraining ist meiner Meinung nach eine sehr komplexe Art, ein Tier zu trainieren. Viele Clickermenschen übersehen dabei ganz und gar, dass Freund Pferd irgendwann beginnt, sich nicht mehr wohl zu fühlen. Gestresst und nach Aufmerksamkeit suchend, bieten die Tiere alles an, was ihnen einfällt, damit vielleicht ein Click ertönt. Die Menschen lachen und freuen sich viel zu wenig, wenn dem Pferd etwas tolles gelingt, oder es super reagiert. Es wird ein stures Programm gefahren, in dem das Pferdchen dann erst wieder lernen muss, was Ruhe bedeutet. Klar hab ich das selbst auch mit dem Herrn in einem gewissen Maße durch, aber wenns am Ende erst wieder nur am Erfolg gemessen wird, läuft irgendwie was falsch. Irgendwie bin ich frustriert… Also bitte, arbeite weiter so wie du es tust und bleib ein super tolles Beispiel! Allerliebste Grüße! <3

  5. Faunii Beitragsautor

    Hallo Tanja,
    Ich kann Deinen Frust sehr gut verstehen! So ist mir tatsächlich aus letztens ein Clickerpferd begegnet, das für seinen Besitzer das perfekte Clickerpferd war. Für mich war er nur sehr sehr schlecht zu ertragen. Er hatte einen sehr hohen Energielevel und schien ständig zu schreien : Was jetzt! was jetzt! Er gierte nur auf die nächste Aufgabe. Das hat mich extrem gestresst. Erst in der Trainingssituation wurde er ruhiger. Da wird einfaches Beieinandersein schwierig, so würde ich mit meinen Pferden nicht leben wollen.
    Da bin ich wirklich sehr froh, das ich bei Marlitt Wendt Kursplätze ergattern konnte. sie ist mir wirklich immer wieder eine große Hilfe, die verschiedenen Ebenen der Mensch-Pferd-Beziehung herauszuarbeiten und auch zu genießen.
    Liebe Grüße Sabine

  6. Pingback: Vertrauen heißt “sich trauen” | Fü(h)rPferd Horsemanship

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